Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apg 5,29

Vor einigen Monaten waren wir für ein paar Urlaubstage in einer oberfränkischen Kleinstadt, die in ihrem Rathaus eine Ausstellung über das schreckliche Euthanasieprogramm der Nazis organisiert hatte. Sehr bewegt und tief betroffen gingen wir an den Bildern und Schautafeln vorbei, die das furchtbare Schicksal der behinderten Menschen zeigte, die von den Nationalsozialisten als sogenanntes „lebensunwertes Leben“ eingestuft wurden. In menschenverachtender Weise wurden sie aus den Familien gerissen und aus den Einrichtungen selektiert und in den Tod geschickt. Zynisch nannte man dies alles „schöner Tod“, eben Euthanasie. Alles geschah zunächst eher heimlich. Dann aber wurden Proteste laut. Der damalige katholische Bischof von Münster, Clemens August von Gahlen begann gegen dieses himmelschreiende Unrecht anzupredigen und er stellte sich gegen die Menschenverachtung des dritten Reiches. In mutiger Weise rief er dazu auf, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Er riskierte damit viel, denn kaum einer blieb unbehelligt, der sich so offen gegen das Regime wandte. Von Galen aber wusste sich in seinem Gewissen an Gott und sein Wort gebunden und er konnte nicht schweigen. So kam eine Bewegung ins Rollen, die dieses schlimme Tötungsprogramm der Nazis zumindest vorübergehend stoppte.

Solch ein Verhalten erfordert Mut und Entschlossenheit. Mut, dann auch Nachteile und sogar Verfolgung in Kauf zu nehmen. Und weil wir mitunter diese Nachteile fürchten, hängen wir manchmal unser Fähnlein nach dem Wind.

Petrus und Johannes tun dies nicht. Auch ihnen will man den Mund verbieten, als sie von Jesus lehren und von seinem Sterben und Auferstehen. Man will ihnen einen „Maulkorb“ verpassen, wo sie davon sprechen, dass in keinem anderen Namen das Heil ist, als in dem Namen Jesus. Das galt als politisch inkorrekt und anstößig. Sie aber bekennen mutig und entschlossen, was sie als richtig erkannt haben. Weil sie Gott über alles fürchten, schwindet dann ihre Furcht vor den Menschen.

Wo und bei welchen Themen braucht es diese entschiedene Haltung auch in unseren Tagen? Bei dem Dogma, dass angeblich alle Wege zu Gott führen, beim Schutz ungeborenen Lebens, bei Hass und Ablehnung gegenüber Fremden? Vor Jahren haben wir gesungen: „Sei ein lebend'ger Fisch und schwimme gegen den Strom.“ Auch wenn es Kraft kostet und Mut, wir haben die Zusage Jesu, dass er sich zu denen stellt, die entschieden leben, sich zu ihm bekennen und ihm mehr

gehorchen als den Menschen. Seien wir lebendige Fische.


Den nötigen Mut und die Entschlossenheit dazu

wünscht Ihnen Ihr Pastor Thomas Scheffler