Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Hebr 10,24

Da sind wir zu Besuch bei den Enkelkindern und haben ihnen – wie das Großeltern so machen – eine Kleinigkeit mitgebracht. Eines der Enkelkinder ist allerdings bei Freunden. Als wir unsere kleine Gabe abgeliefert haben, stellt sich eines der anderen Enkel vor uns hin und sagt: „Und wo ist das Geschenk für unsere Schwester?“ Natürlich hatten wir das dabei, es soll ja gerecht zugehen... Aber dieses Achtgeben darauf, dass auch die Schwester nicht zu kurz kommt, das hat unsere Herzen berührt. Wenn es doch auch später noch so wäre und auch im Zusammenleben von uns Christen so funktionierte, dass wir konsequent danach fragten, was dem oder der anderen dient.

Im Hebräerbrief werden wir dazu aufgefordert, aufeinander acht zu haben. Nein, das meint nun nicht ein gegenseitiges sich Beobachten und ein dem anderen „die Bissen Reinzählen“. Achthaben meint, der Bruder oder die Schwester, sie sind mir nicht gleichgültig. Es interessiert mich, wie es ihnen geht, was ihnen Freude macht und ihnen Schmerz und Mühe bereitet. Dazu gehört auch, einmal nachzu-fragen, einander Anteil zu geben und füreinander zu beten. Sehr oft erleben wir das in unserem Haus – dafür bin ich von Herzen dankbar.

Aber dann spricht der Monatsspruch auch vom gegenseitigen sich Anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Wie das gelingen kann? Wieder ein Blick auf das Beispiel der Kinder. Zum Kindergeburtstag oder zum Gemeindefest werden die typischen Schnelligkeits- oder Geschicklichkeitsspiele gespielt. Kinder können sich dabei mit solcher Begeisterung und Hingabe gegenseitig anfeuern, dass es einem fast schwindelig wird. So ermutigen sie sich gegenseitig, nicht nachzu-lassen und weiterzukämpfen. Wie gut ist es, gerade in Situationen, wo wir einmal einen „Durchhänger“ haben, wenn uns dann andere „Mitläufer“ hin zum großen Ziel ermutigen, uns anfeuern und uns helfen, nicht kurz vor dem Ziel aufzugeben. Dabei geht es nicht darum, das Letzte aus uns herauszuholen und uns voranzujagen, sondern darum, den richtigen Schwerpunkt zu behalten, nämlich Liebe zu üben und Taten Raum zu geben, die aus dieser Liebe erwachsen. Unverkrampft. Nicht gehetzt und getrieben. Und doch ermutigt und angespornt.

Auf diesem Weg wünsche ich uns viele gute und segensreiche Erfahrungen. Ihr/Euer Thomas Scheffler